Robert Cantieni wurde 1873 in Ftan  geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Er besuchte zuerst das Lehrerseminar in Chur, war Lehrer in Ftan 1892-1893 und in Samedan 1893-1900. Während seiner Studienzeit in Chur erhielt er wichtige musikalische Impulse und auch seinen ersten Kompositionsunterricht beim Musiker und Altphilologen Karl Friedrich Hörrmann. Im Jahre 1900 verliess Cantieni das Engadin, um am Konservatorium in Zürich Kurse in Kompositionslehre, Instrumentalmusik und Chorleitung zu besuchen. Seine Lehrer waren die bekannten Komponisten Friedrich Hegar, Carl Attenhofer und Gottfried Angerer. Nach Diplomabschluss kehrt er zurück ins Engadin und dirigierte verschiedene Chöre und erteilte Klavierunterricht. 1911 bearbeitete er mit Florian Grand die „Engiadina“, das Gesangsbuch für den Gemischten Chor.  Aus dieser Zeit entstanden einige seiner wichtigsten Lieder wie zum Beispiel das zum wahren Volkslied gewordene „Chara lingua da la mamma“. Enttäuscht durch kulturpolitische Intrigen und unsachliche Kritik an seinen musikalischen Tätigkeiten  verliess er 1922 das Engadin, und übernahm die Leitung des Männerchors „Frohsinn“ und später der „Ligia Grischa“ in Chur. Von 1922 bis 1938 erteilte er Musikunterricht und Kalligraphie an der Bündner Kantonsschule. Erst nach 20 Jahren hat Robert Cantieni sich mit dem Engadiner Volk ausgesöhnt, und widmetet sich wieder dem romanischen Liedgut. Noch im hohen Alter entstand eine breite Sammlung von romanischen Kinderlieder „Chanzunettas“. Eine elegante melodische Linie und klare einfache Harmonien sind typische Merkmale der Kompositionen von Robert Cantieni. Er schaffte als Chorleiter und Komponist ein romanisches und deutsches Liedgut für Laien auf hohe Niveau, ein Art „Kunstlied in Volkston“, das noch heute einen wichtigen Einfluss und Verbreitung hat.